Zweiter Eintrag: Produkt des Rausches

Das Krankenhaus

Ein Chor. Der Geweihte spricht nicht. Nur ein Chor.
Papier liegt auf dem Boden verteilt. Flugblätter mit politischer Absicht, ohne Aufmerksamkeit. Einige Schafe sitzen dich an dicht, nicht alle Bänke ausfüllend, in den Reihen der hölzernen Sitzgelegenheiten. Manche wippen vor und zurück. Immer nur wenige Zentimeter, aber stets dieselbe Strecke. Andere starren regungslos Richtung Altar und umklammern sich dabei selbst. Der Chor durchdringt den Raum, die Wände, die Decke und alle Ohren und Köpfe im Raum; Leise und unterschwellig, aber konstant und grausam dringen die unversrätlichen Worte und Klänge in den Verstand der Gemeinde ein.
Jetzt, endlich, nach Äonen der Qual, verstummt der Chor. Der Chor der sich im selben Trancezustand befindet, wie die Gemeinde, obgleich sie keine Einheit bilden. Mit dieser Stille tritt eine andere Qual ein. Ein Lärm, der einen Mann schneller in die Fluten reißt, als jeder Sturm. Die Stimme des Geweihten, oder ist es das, was er spricht, lässt jede Bewegung im Raum erstarren, sodass die wippenden Schafe in vorgebeugter Stellung, genau an dem Punkt, an welchem sie vorhatten wieder zurück zuwippen, verharren und gespannt auf den Sprecher am Podium starren.
Einen kurzen Augenblick herrscht allerdings Stille und diese Stille lässt dem Raum Geltung zeigen. Eigentlich ist dies keine Kirche, sondern eher eine Art Konferenzraum. Es gibt keine Fenster. Kerzen beleuchten den Saal in einem unruhig flackernden Schein. Das schale Licht lässt den Blick auf eine der Wände zu, welche allerdings hin und wieder in der Finsternis verschwindet. Die Wand ist bemalt. Weiß-gelblich schimmern, mit Handabdrücken geformte, Symbole auf, deren Bedeutung verborgen bleibt. Von der Decke hängen alte Leuchtkörper und Teile der Verkleidung hinab. Sie zeigen mit ihren spitzen Enden mahnend auf die Gemeinde herab.
Jetzt wird die Stille unterbrochen, da ein alter Mann durch die Tür neben dem Altar springt und wild gestikulierend eine Waffe in seinen Händen hin- und herschwenkt. „Schnell weg! Schnell! Wir müssen sehr schnell sein!" dringt es aus seinem Mund. Seine Worte schaffen es nur mit Mühe durch die dichte und schwere Atmosphäre des Raumes und prallen stumpf und ungehört an den Gesichtern von Gemeinde, Chor und Priester ab,
„Es ist wieder eines dieser...! Diese Riesen! Sie wollen und bestehlen!" Mit diesen Worten reißt eine unsichtbare Kraft die Waffe des Mannes quer durch den Raum und in die noch offen stehende Tür. Wieder heraus kommt ein eiserner Pfeil, der dem ängstlichen und wirren Gezappel des Alten ein Ende setzt.
Blut sprudelt. Der Chor singt. Die Gemeinde wippt. Der Priester schweigt.
Ich bin inzwischen auch erstarrt.

4.11.12 23:24, kommentieren

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Erster Eintrag

Ein leichtes, leises, Säuseln. (Einstürzende Neubauten)

 

Es ist mal wieder so weit:

 

Ich sitz hier in meiner Wohnung, alleine und fülle meine Langeweile und Trägheit mit Alkohol. Das solle kein Mitleid erregen, oder darstellen, wie scheiße es mir doch geht. IM GEGENTEIL. Ich liebe diesen Zustand des leichten Rausches. 

Ich liebe es wie langsam, durch den Rausch gefördert, Melancholie in mir aufsteigt. Melancholie als Hochgefühl, als große Emotion, als gesteuerte Trauer mit bewegenen Elementen der Freude. 

Ich fühle mich frei in dieser Situation. Ich lasse mich inspirieren durch meine gesammte Umwelt.

 

Zuletzt hörte ich "ein leichtes, leises Säuseln" von der Band "Einstürzende Neubauten" und fiel vollkommen in die Substanz dieser Klänge....

 

Ich erreiche einen Zustand der physischen Stasis und einer Art emotionalen Ausschöpfung. 

Alles welchtliche wird verdrängt und der Focus richtet sich auf das Jetzt und auf das Hier. Er richtet sich auf das ICH in dieser Situation. Der irdische Kontext ist vollkommen ausgelöscht und das Leben an sich erscheint als eine vollkommener Gegensatz zur physischen Existentz  in einer Gesellschaft. Die Wahrheit des Lebens wird verrückt und in Frage gestellt! Was ist? Was ist nicht? Die Elementaren Fragen der menschlichen Existenz geraten in vollkommene Gleichgültigkeit und werden in andere Sphären gedrängt. Geistige Sphären. Sie erscheinen im Rausche genauso unwichtig, wier der Rausch im Zustand der Nüchternheit!...

 

Pelikanol stimmt an. der nächste Song von den Einstürzenden Neubauten. 

Der monotonie des Rythumus' zieht mich weiter in physische Stasis.

Ich lausche den Hintergrundgeräuschen. ich höre Gespräche, zerpringendes Glas. Glas das von Menschenhand geformt wurde und nun durch eben diese wieder willkürlich zerstört wurde, aber niemals den Ursprungszustand erreichen wird!

Nun erfasst mich eine Fülle. Stimmen überlagern sich. 

 

Zeit zum nachtanken...

4.11.12 23:13, kommentieren